Eine Brücke von altem zu neuem „Normal“

Noch immer hat uns die Corona-Pandemie im Griff. Ein Wirk-, geschweige denn Impfstoff ist (Stand August 2020) noch nicht gefunden worden. Über ein halbes Jahr bereits lebt die Menschheit unter teilweise drastischen Veränderungen, auch in der Arbeitswelt.

Ist es überhaupt möglich, die Uhren „zurückzudrehen“? Können wir zu Vor-Corona Zeiten zurückfinden?

4 Anzeichen, dass uns der Weg zum alten „Normal“ versperrt ist

  1. Viele Mitarbeiter haben sich seit März 2020 erfolgreich im Home Office eingerichtet. Nach einigen Improvisationen gelang es, erfolgreich von zuhause zu arbeiten und irgendwie einen Draht zu den anderen Kollegen (ob ebenfalls zuhause oder im Büro) zu halten. Vielerorts hat das – trotz einer eher rückständigen Digitalisierung in Deutschland – erstaunlich gut geklappt. Dieses Privileg – zu wissen, dass Heimarbeit durchaus möglich ist und welche Vorzüge sie bietet – möchte nun kein Mitarbeiter mehr verlieren, der es bislang genießen durfte.
  2. Es ist anzunehmen, dass uns in kommenden Jahren auch ein Covid-20, ein Covid-21 und weitere bevorstehen. Die anhaltende Infektionsgefahr – auch mit neuen Viren – wird voraussichtlich bestehen bleiben und zwingt uns, kontaktlose Formen der Zusammenarbeit zu verstärken.
  3. Während einige Unternehmen bereits vor Corona erhebliche Digitalisierungsanstrengungen unternommen haben, gelang dies anderen in den letzten sechs Monaten. Eine dritte Gruppe von Organisationen hingegen ist bisher stiefmütterlich mit dem Thema umgegangen und hat noch immer Nachholbedarf. Dies erzeugt Schiefstände über Unternehmen hinweg, wie auch über Abteilungen in Unternehmen. Agile und vernetzte Mitarbeiter werden bevorzugt dorthin wechseln, wo die Digitalisierung fortgeschritten ist. Dies wiederum erzeugt einen Sog, der letztendlich alle Organisationen in einen stärkeren Digitalmodus bringt.
  4. Die demografische Entwicklung wird den Druck auf Organisationen kontinuierlich erhöhen. In den 2020ern werden die Babyboomer in Rente gehen. Schon jetzt können viele Stellen auf dem Arbeitsmarkt ungenügend oder nicht besetzt werden. Es fehlt beispielsweise an Lehrern, IT-Entwicklern, Altenpflegern oder Handwerkern. Eine Antwort hierauf ist konsequentere Digitalisierung und Automatisierung. Wenn es uns gelingt, Tätigkeiten mit niedrigem Wertschöpfungsanteil konsequenter zu automatisieren, so setzt dies produktive menschliche Arbeitskraft frei, die für beratungs- und betreuungsintensive Aufgaben eingesetzt werden könnte.

Wie gehen wir nun mit dieser Situation angemessen um? Was können wir tun, um Mitarbeitern mehr Klarheit und Orientierung zu vermitteln und ihnen Alternativen aufzuzeigen, sich auch in Pandemie-Zeiten produktiv einzubringen?

4 Schlüssel, die das neue „Normal“ möglich machen

  1. Digitalisierung darf nicht länger punktuell, sondern muss – natürlich smart und mit Augenmaß – flächendeckend erfolgen. Vielleicht benötigt mancher Mitarbeiter nicht zwei Laptops oder drei Webcams, doch muss es mittlerweile Standard sein, dass jeder Mitarbeiter gratis Hard- und Software erhält, um kontaktlos mit Kollegen kommunizieren zu können. Jeder Mitarbeiter sollte in der Nutzung von Kollaborationssoftware wie Zoom oder Webex geschult sein und diese Werkzeuge erfolgreich nutzen können.
  2. Intelligente Vernetzung von Mitarbeitern und Communities: Die Art, wie wir miteinander arbeiten, ändert sich jetzt gerade sehr stark. Sich nur via Audio oder Video austauschen zu können und trotzdem verbindliche Aufgabenerledigung zu vereinbaren – das ist die Kunst der erfolgreichen Absprache unter Kollegen in Teams. Welche Regeln der Zusammenarbeit geben wir uns? Wie sorgen wir für effektive Aufgabendelegation bei Nichterreichbarkeit? Wie verteilen wir die Arbeit regelmäßig so, dass die Arbeitslast im Team fair verteilt ist? Hierauf sollten Teams in virtuellen Zeiten gemeinsam Antworten finden.
  3. Neue Wege im teamübergreifenden Miteinander gehen: Nun, wo viele Mitarbeiter im Homeoffice abgetaucht und irgendwie schwer „greifbar“ sind, stellt sich die Frage: Wie definieren wir eigentlich noch das WIR? Was können wir tun, um auch in kontaktlosen Zeiten einzelnen Mitarbeitern ein Gefühl des Ich-bin-Teil-einer-tollen-Organisation zu vermitteln? Hier sind Führungskräfte, Organisationsentwickler, Coaches und Feelgood-Manager gefragt, um neue Formate anzubieten, die Mitarbeiter gezielt zusammenbringen und mit denen positive Gefühle verknüpft sind. Sei es eine virtuelle Mittagspause gemeinsam vor der Webkamera, ein Wissenscafé auf Abstand mit jedem zweiten Platz freigehalten oder kontinuierlich durchgeführte Online-Umfragen zum Arbeitsklima verknüpft mit der Abfrage von Lösungsideen, um die Stimmung im Unternehmen zu verbessern – auch auf Abstand und mit ggf. geringerer Teilnehmerzahl ist es weiterhin gut möglich, viele Formate für ein gutes Miteinander anzubieten und durchzuführen. Man muss es jedoch tun und dran bleiben.
  4. Fast wirkt es so, als habe Corona dem klassischen Taylorismus mit erbarmungsloser Kontrolle jeder noch so kleinen Aufgabenerledigung den Todesstoß versetzt. Führungskräften ist es einfach nicht mehr möglich, in Zeiten des verteilten Arbeitens die eigenen Mitarbeiter auf Schritt und Tritt zu kontrollieren. Nun ist eine Zeit gekommen, in der es darum geht, Mitarbeiter bewusster nach Ergebnissen zu messen und gleichzeitig loszulassen, zu vertrauen. Liebe Führungskräfte, gehen Sie doch mal davon aus, dass ihre Mitarbeiter eine sinnvolle Arbeit anstreben und grundsätzlich – so die Rahmenbedingungen stimmen – gerne arbeiten. Vereinbaren Sie Ergebnisse, die realistisch umsetzbar sind und seien Sie großzügig, was das Wo und Wie der Aufgabenerledigung angeht. So lange der Job erledigt ist, ist doch alles super! Freuen Sie sich über die gestiegene Flexibilität, die Sie Ihren Mitarbeitern ermöglicht haben. Und freuen Sie sich darüber, dass Ihre Mitarbeiter noch bei Ihnen sind und Ihnen und dem Unternehmen weiterhin loyal gegenüber sind.

Wie es Führungskräften gelingt, mittels fünf erfolgreicher Schlüssel auch in Corona-Zeiten Mitarbeiter erfolgreich zu führen und zu motivieren, möchte ich Ihnen gerne näher bringen. Jedoch erst in meinem nächsten LinkedIn-Artikel. Stay tuned!

Matthias von Mitzlaff, Autor von
„Self-Coaching. Jetzt coache ich mich selbst!“ und
„Lichtgestalten. Menschen, die Großes vollbrachten“
(beide via amazon erhältlich)

Print Friendly

Leave a Reply