Ein selbstbestimmtes Leben leben

Von „Ich muss“ zu „Ich will“

George ist Abteilungsleiter für ein Pharmaunternehmen. Seit drei Jahren arbeitet er in dieser Position und bereits jetzt erscheint ihm sein Job wie eine erdrückende Bürde. Gefangen in der Sandwich-Position zwischen Top-Management und seinen Mitarbeitern, “ zieht jeder an ihm“ mit einem nie endenden Katalog an Wünschen, Anforderungen und Bedürfnissen. In letzter Zeit wird ihm stärker bewusst: „Ich muss dies, ich muss jenes…“

 

Rita ist eine recht schüchterne Mitarbeiterin in ihrem Arbeitsbereich. Es gab für sie bereits einige gute Gelegenheiten, sich im „Rampenlicht“ zu bewegen und eine Präsentation vor ihrem Chef und ihren Kollegen zu halten. Leider ließ sie diese Chancen ungenutzt. Inzwischen fühlt sie sich niedergeschlagen, mut- und energielos. Sie entwickelt Schuldgefühle und sieht keine Möglichkeit, die Negativspirale zu durchbrechen.

 

Peggy ist in den letzten 6 Wochen zu ihren morgendlichen Teammeetings vierzehn Mal zu spät gekommen. Das Team konnte nicht zeitgerecht beginnen und es wurde wertvolle Arbeitszeit verschwendet. Peggy dagegen sieht sich nicht im Unrecht und sie treffe keine Schuld. Beim Finden von Ausreden ist sie sehr kreativ: Beispiele wie unvorhergesehene Autopannen, ihr plötzlich erkranktes Kind, eine hartnäckige Erkältung etc. wechselten sich in unterschiedlichen Abständen ab.

 

David ist der klassische „Wie konntest Du nur?“-Kollege. Er ist Experte auf dem Gebiet von Schuldzuweisungen gegenüber seinen Kollegen. David sieht die Ursache für Probleme nie bei sich sondern macht immer andere dafür verantwortlich.

 

Gabi hat über 100.000 Euro Schulden. Noch immer kauft sie reichlich Kleider, Kosmetika und Haushaltsgeräte, ohne an ihr kleines Budget als Sachbearbeiterin bei einer Versicherung zu denken. Einige Verwandte und Freunde haben sie bereits auf dieses bedenkliche Verhalten angesprochen. Gabi schlägt jedoch alle Bedenken in den Wind und konsumiert fröhlich weiter.

 

 Kennen Sie auch solche Mitmenschen, die ein ähnliches Verhalten zeigen?
Ich treffe sie recht häufig und frage mich, wie eine bleibende positive Verhaltensänderung herbeigeführt werden könnte.

Kürzlich bin ich auf ein hervorragendes Buch mit dem Titel „Der Prozess der Verantwortungsübernahme“ (The Responsibility Process) von Christopher Avery aufmerksam geworden. Es hat mir Anregungen zu diesem Blogartikel gegeben.

In seinem Buch untersucht und erläutert Avery fünf unterschiedliche negative Verhaltensweisen, die Menschen immer wieder „passieren“, wenn sie auf Probleme stoßen. Falls Sie Averys Buch kennen sollten, dann haben Sie vielleicht schon die oben erwähnten fünf Verhaltensweisen identifizieren können: VERPFLICHTUNG (George), SCHULDGEFÜHL (Rita), RECHTFERTIGUNG (Peggy), BESCHULDIGEN (David) und LEUGNEN (Gabi).

Averys methodisches Konzept beginnt mit dem Begriff „Wollen“ bzw. „Intention“. Für ihn ist das der erste Schlüssel zu einem erfolgreichen und glücklichen Leben bei voller Verantwortungsübernahme.

Eine einfache Übung zur Willensbekundung
Um ein Leben zu führen, dass weitgehend von freiem Willen gekennzeichnet ist (und weniger von Verpflichtungen oder dem Zuschreiben von Umständen), empfehle ich Ihnen, folgende vier Übungsschritte auszuführen:

  1. Entdecken Sie, was Sie wollen
    Stellen Sie sich folgende Frage: „Was möchte ich in meinem täglichen Leben im Überfluss erleben?„. Reservieren Sie sich eine Stunde, suchen Sie einen ruhigen Ort auf und bringen Sie zu Papier, welche Antworten Ihnen spontan einfallen. Je mehr Ihnen einfällt, desto besser. 20 Aktivitäten auf Ihrer Liste sind gut, 30 bis 40 sind noch besser.
  2. Konsolidieren Sie Ihre Antworten
    Legen Sie danach bewusst eine Pause ein. Machen Sie beispielsweise einen Spaziergang oder schlafen Sie drüber. Etwas später nehmen Sie dann bitte Ihre Liste wieder zur Hand und prüfen sie auf wiederkehrende Muster. Welche Aktivitäten oder Erlebnisse ähneln sich und können zusammengefasst werden? Entwerfen und formulieren Sie neue Aktivitäten und erzeugen so eine kürzere Liste (etwa 10 Aktivitäten).
  3. Priorisieren Sie
    Sobald Ihre Liste komplett ist, ordnen Sie die Aktivitäten nach persönlich eingeschätzter Wichtigkeit von oben nach unten. Fragen Sie sich anfänglich: Wenn es nur eine Aktivität gäbe, die Sie täglich im Überfluss erleben könnten, welche wäre das? Was ist Ihnen am wichtigsten? Identifizieren Sie die wichtigste und ordnen Sie diese ganz oben auf der Liste ein.
    Dann sehen Sie sich bitte den Rest der Liste an und wiederholen die Priorisierungsübung für die zweit-, dritt-, viertwichtigste Aktivität und so weiter bis Ihre gesamte Liste priorisiert ist.
    Am Ende dieses Prozesses dürften Sie sich etwas abgespannt fühlen und haben doch gleichzeitig die Erkenntnis gewonnen, „Jetzt sieht es für mich komplett und korrekt priorisiert aus!“.
  4. Implementierung in Ihr tägliches Leben
    Stellen Sie bitte nun sicher, dass Sie mehrere Male pro Tag auf Ihre Liste aufmerksam gemacht werden. Drucken Sie die nur für Sie bestimmte Liste aus und platzieren sie diskret auf Ihrem Schreibtisch oder im täglich genutzten Posteingangskorb etc. Auch können Sie die Liste als Hintergrundbild auf den Desktop des Laptops laden. Was immer Sie damit auch machen, wichtig ist, dass Sie mehrmals am Tag auf die Liste „stoßen“, um kontinuierlich daran erinnert zu werden, was Ihnen in Ihrem Leben und für Ihre Karriere besonders wichtig ist.

Nachdem ich selber diese Übung durchgeführt habe und Averys hervorragenden Hinweisen gefolgt bin, konnte ich zehn Elemente identifizieren, die mir im Alltag besonders wichtig sind:

  1. Positive Glaubenssätze (Affirmationen) und positive Visionen einüben
  2. Mitmenschen im direkten Kontakt nützlich sein (Coaching, Beratung)
  3. Schreibend und zeichnend reflektieren und kreativ entwerfen
  4. Meinen Körper kräftigen, bewegen und flexibel halten
  5. Spaß und Humor erleben, allein und mit anderen herzlich lachen
  6. Lesend lernen und Gelerntes nutzbringend aufbereiten
  7. Musik hören, die mir gefällt > genießen, träumen, inspiriert werden
  8. Mit meiner Partnerin: Innigkeit und gute Gespräche
  9. Mein Vermögen mehren und meine Reputation steigern (Verkauf, Marketing)
  10. Interaktionen (Team-Workshops oder Einzelberatungen) planen/vorbereiten und nachbereiten/auswerten

Meine Liste ist für mich ein elementarer Beleg dafür, was mir im Leben wichtig ist. Immer wenn ich merke, dass meine Prioritäten verschwimmen, nehme ich die Liste zur Hand, gehe sie durch und finde wieder Klarheit, was für mich zählt und was ich jeden einzelnen Tag meines Lebens von Neuem erleben möchte.

Ich ermutige Sie, sich ebenfalls eine kurze Auszeit (ich nenne es „Qualitätszeit“) zu nehmen, um Ihre Liste nach obigem Muster zu erstellen. Es kann der Beginn eines erfüllten und vortrefflichen Lebens mit der Quintessenz sein: „Ich weiß, was ich im Leben will. Und ich erlebe es jeden einzelnen Tag!“.

MEHR Leben vom Leben erleben => Lesen Sie hier weiter…

Print Friendly

Leave a Reply